Jena goes Chemnitz!

/// Es sind noch Plätze frei! Für alle Unentschlossenen, die sich bisher kein Ticket besorgt haben, besteht die Möglichkeit sich morgen am 05. März um 13.40 Uhr am StuRa-Büro der FSU einzufinden. ///

Warum wir aus Jena nach Chemnitz fahren.

Das Muster ist mittlerweile vielen aus Dresden bekannt. Wenn eine Stadt im zweiten Weltkrieg bombardiert wurde, greifen Nazis heute den Jahrestag auf, um an diesem Tag durch die entsprechende Stadt zu marschieren.
Die Idee der Faschist_innen dahinter ist ganz einfach: Die Jahrestage der Bombardierungen erscheinen ihnen geeignet, um sich selbst und die Bevölkerung der Stadt als Opfer darzustellen. Auf diesem Weg soll genau jene Ideologie wieder verbreitet werden, die in Deutschland zu einer barbarischen Diktatur führte, die Shoa ermöglichte und den zweiten Weltkrieg auslöste. Dieser Krieg ging von Deutschland aus und wurde von der Bevölkerung, wie auch die gesamte Nazidiktatur überhaupt, mitgetragen. In den letzten Kriegsjahren kehrte der Zweite Weltkrieg an den Ort zurück, von dem er ausgegangen war. Die Geschichte soll zurechtgebogen werden, damit Deutschland plötzlich als Opfer und nicht als Täter in der Geschichte dasteht. Die Nazis versuchen ihre Aufmärsche als Trauerveranstaltung zu verkaufen. Dem gilt es sich entschlossen entgegenzustellen. Die historische Schuld und die daraus erwachsende Verantwortung dürfen niemals verdrängt, vergessen, verbogen oder verdreht werden. Deshalb gilt es sich Nazis an jedem Ort und bei jeder Gelegenheit in den Weg zu stellen.

Die Entwicklung in Dresden hat gezeigt, wie man es richtig und wie man es falsch machen kann. Falsch ist es, sich an Geschichtsklitterei zu beteiligen und sich höchstens symbolisch von den offenen Faschist_innen abzugrenzen. Richtig ist es, die perfiden Methoden der Nazis aufzuzeigen und sich ihnen Entschlossen entgegenzustellen.
Aber Naziaufmärsche können nur verhindert oder zumindest stark behindert werden, wenn viele Menschen auf die Straße gehen und entschlossen handeln.

Dresden war (!) der größte Naziaufmarsch Europas. Aber die Nazis weichen auf andere Orte aus. Magdeburg, Cottbus, Weimar, Gera und Chemnitz sind einige solche Städte. Deshalb gilt es auch dort die Initiativen vor Ort zu unterstützen und sich an den Protesten zu beteiligen.

In Chemnitz gibt es jährlich am 5. März sowohl ein Gedenken der Bürger_innen beim sogenannten „Chemnitzer Friedenstag“ als auch einen großen Naziaufmarsch. Beides findet wiederholt unter dem Deckmantel der Trauer um die Opfer des Bombardement statt. Dieses Jahr wollen die Nazis unter dem Aufruf „Als das Leiden begann – Erinnerung verpflichtet“ marschieren.
Dies zeigt uns erneut, dass menschenverachtende Einstellungen und deren Umsetzung in der Praxis ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellen, das es täglich zu bekämpfen gilt.
Gerade in Chemnitz sehen wir uns in der Pflicht, ein Zeichen gegen Nazis zu setzen. Chemnitz ist eine Hochburg des großen Nazi-Labels PC-Records, ein ehemaliger Wohnortes des NSU-Trios, eine Stadt voller bekannter Naziläden, wie dem Backstreet Noise oder Tonsberg, um nur zwei davon zu nennen und eine Stadt mit einer traditionell neonazistisch durchsetzten Fanszene beim CFC und einem erst 2011 eröffneten nationalen Zentrum.

Während die Nazis vor zwei Jahren noch in Ruhe auf dem Innenstadtring laufen konnten, wurde ihre Route letztes Jahr zum ersten Mal zum Chemnitzer Südbahnhof umverlegt. Über 2500 Menschen in einer Demonstration vom Hauptbahnhof über den Innenstadtring ausgehend und ca. 300 Demonstrant_innen von der Chemnitzer TU haben sich 2012 zusammengefunden, um in Hör- und Sichtweite der Nazis gegen deren Geschichtsrevisionismus zu demonstrieren. Daran wollen wir nun anknüpfen und uns gemeinsam den Faschist_innen entgegenstellen, um ihnen keine weitere Tragfläche für ihr menschenverachtendes Gedankengut zu bieten – weder in Chemnitz noch sonstwo.
Deshalb rufen wir zur gemeinsamen Busfahrt am 5. März von Jena nach Chemnitz auf.

Hinfahren statt Wegstarren!
Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!